Warning: hash_equals(): Expected user_string to be a string, null given in /home/jisus093/public_html/blog/wp-includes/pluggable.php on line 1263

Warning: hash_equals(): Expected user_string to be a string, null given in /home/jisus093/public_html/blog/wp-includes/pluggable.php on line 1269
Tiroler Zeitung (German) | Jee Soo Shin

Tiroler Zeitung (German)

[Tiroler Tageszeitung, 3. September, 2007, S. 14:]

„Urnacht“ mit sieben Uraufführungen

Sieben frische Spielarten Neuer Musik

Das elfte Festival „avantgarde tirol“ und die Internationale Akademie für Neue Komposition und Audio-Art ist am Samstag in Seefeld mit einer „Urnacht“ zu Ende gegangen. 

Von Milena Meller

 

Eine junge Komponistin sitzt am Schreibtisch, schreibt hastig Noten und liefert drei Musikern, jeder für sich routiniert-lustlos beim Üben, laufend neues Material, das die motorisch repetierten Patterns unterwandert. Irgendwann kassieren die drei ihre Gage bei der Komponistin und verschwinden.

Ergebnisse Akademie

Mit dieser Performance-Komposition „Music Factory“ hat die Südkoreanerin Jee Soo Shin auf die zweiwöchige Arbeitssituation der Akademie reflektiert. Dass solch ein ironisch-konzeptueller Zugang Platz hatte und auf den nicht zu verhindernden Produktionsdruck so kreativ reagiert wurde, spricht für die Atmosphäre und war in allen Stücken deutlich spürbar.

Der Kompositionsunterricht bei Boguslav Schaeffer, ergänzt durch den der Dozenten Michael Cede (Flöte), József Hárs (Horn), Frank Stadler (Violine) und Slawomir Zubrzycki (Klavier), den glänzenden Interpreten des Abends, hat sich als äußerst fruchtbar erwiesen.

Die Vorgabe von nur acht Tagen zum Komponieren bzw. für die Solisten zum Einstudieren war Herausforderung mit positiver Wirkung. Auffallend der große Anteil an Szenisch-Humoristischem: Die Südtirolerin Manuela Kerer kombiniert in „cercando ABACADABRA vagando“ Text mit Aktion (Licht aus, Papier wird angezündet, am Boden verteilte Notenblätter werden kriechend, mit Stirnlampe interpretiert) und ideenreicher Musik, etwa Präparierung von Horn und Klavier mit Alufolie.

Spannender Dialog

Solch phantasievolle Erweiterung der Klangsprache, angeregt auch durch die Dozenten, wurde exzessiv genutzt, so z. B. in „(adequate)“ des Polen Mateusz Kobiałka, einem spannenden, expressiven Dialog zwischen Klavier und Flöte. In letztere wurde neben allen anderen Raffinessen auch noch gesprochen und gesungen.

Facettenreichtum auch im Quartett „With damaged precision“ des Iren David Bremner, einer behutsamen Suche nach Zusammenklang, die sich zu Dramatik steigert. Von beeindruckender Intensität das Duo „Traditional Music“ (Horn und Klavier) des Israeli Amit Gilutz: statische Klänge, Tiefe und Archaik ohne Pathos.

Intensiv auch das Piccolo-Solo „Kouunnounko Nr. 4“ des Japaners Hikari Kiyama, eine schrille, heftig-pulsierende Bezugnahme auf Lärm und Geist von Tokyo. „Frames III“(Violine und Klavier) des Südkoreaners Jeongkyu Park schließlich führte ein faszinierendes Spiel mit Motiven, Linearem und Flächigem, feinen, unorthodox erzeugten Klängen vor.

 

 

Leave a Reply